Die Stuff Cloud

Heute geht es nun endlich mal um konkrete Maßnahmen, um den eigenen Lebensstil ein wenig nachhaltiger zu gestalten. Den Anfang machen dabei all die Sachen, die unseren Haushalt schöner machen, wo man sie herbekommt, und wie man sie wieder los wird.

Was ist die Stuff Cloud?

Den Begriff selbst habe ich vom Frugalisten Oliver geklaut, der diesen Begriff in einem Beitrag über die finanziellen Vorzüge von Ebay Kleinanzeigen geprägt hat. Während er dabei vor allem auf die finanziellen Aspekte eingeht, soll es hier vor allem darum gehen, welche ökologischen Vorteile ein solches An- und Verkaufsportal mit sich bringt. Aber warum nun Stuff Cloud?

Nun, genauso wie man sich eine gewöhnliche Server-Cloud als riesigen, jederzeit erreichbaren Speicher für Daten (Bilder, Videos, Dokumente etc.) vorstellen kann, so stellt das riesige Angebot von Ebay KA gewissermaßen eine Cloud für physische Dinge (und auch so manche Dienstleistung) dar – oder viel eher ein Peer-to-Peer (P2P) Netzwerk. Aber wir bleiben mal bei der Cloud-Metapher, um es nicht zu kompliziert zu machen. Jeder kann sich kostenlos registrieren und Dinge herunterladen (kaufen), hochladen (verkaufen). Anstatt sie lokal zu speichern (lagern), wanderen die Dinge in die Cloud und ich selbst spare mir Speicherplatz (Lagerfläche).

Die Vorteile

Der Frugalist ist in seinem Beitrag schon auf einige (finanzielle) Vorteile eingegangen, daher fasse ich hier mal die Vorteile aus ökologischer Sicht zusammen:

  • Durch den Kauf gebrauchter Dinge wird der Ressourcenbedarf und die Umweltbelastung durch die Herstellung von neuen Produkten reduziert.
  • Anstatt dass Dinge ungenutzt zu Hause rumstehen, werden sie von jemand anderes weiter/wieder genutzt. Die Nutzungsintensität steigt, und man braucht insgesamt weniger Produkte, um den gleichen Nutzen bereitzustellen.
  • Wer viel ausmistet, merkt vielleicht, dass er garnicht so viel Platz zum Leben braucht, wie sie/er dachte. Der frei werdende Raum kann für neue Mitbewohner bereitgestellt werden, oder man zieht direkt in eine kleinere Wohnung.
  • Statt defekte Geräte wegzuschmeißen, kann man sie zum verschenken anbieten. Viele Anbieter haben sich auf die Reparatur von bestimmten Produkten (z.B. HiFi, Staubsauger) spezialisiert und verdienen sich so etwas dazu. Die Entsorgung von Altgeräten, und alle damit verbundenen Emissionen und Aufwände, werden vermieden. Außerdem wird ein Neukauf durch den Nutzer des reparierten Gerätes überflüssig, oder zumindest herausgezögert.
  • Wer merkt, dass sie/er viele gute Dinge in gebrauchtem Zustand auf Ebay KA findet, orientiert sich dadurch möglicherweise zunehmend in Richtung gebrauchter Produkte. Der Bedarf nach neuen Dingen nimmt ab, mit den beschriebenen Vorteilen.

Die Nachteile

Daneben gibt es natürlich auch ein paar potenzielle Nachteile:

  • Wer weiß, dass sie/er alles jederzeit auf Ebay KA los wird, kauft vielleicht auch mit weniger Bedenken neue Dinge. Wenn es nicht gefällt, kann sie/er es ja jederzeit mit wenig Verlust weiter verkaufen.
  • Eine Matratze von Hamburg nach München zu verschicken macht ökologisch wenig Sinn. Wegen das potenziell riesigen Absatzmarktes ist es verlockend, deitschlandweit einzukaufen (und zu verkaufen), was insbesondere bei schweren, sperrigen Gegenständen mit wenig Wert Quatsch ist.
  • Natürlich gibt es nicht nur gebrauchte, sondern auch neue Sachen zu kaufen. Die genannten Vorteile gelten in diesem Fall natürlich nicht.
  • Das Angebot ist umso größer, je größer das Ballungsgebiet ist, in dem ich wohne. Für Leute auf dem Land kann es schon mal sein, dass der nächste Toaster 40 km entfernt ist – hier lohnt sich die Anfahrt weder ökologisch noch finanziell.

Es ist also ein verantwortungsvoller Umgang von Käufern und Verkäufern gefragt. Wie überall gilt: nur Dinge kaufen, die man wirklich braucht. Gut überlegen, ob der Versand quer durch Deutschland wirklich sein muss, oder ob man das Ding nicht auch mit ein bisschen Geduld vor Ort los wird. Und vor allem gebraucht statt neu kauen (viele Dinge sind gerade einmal augepackt und vielleicht einmal getragen worden).

Das Stuff Cloud Mindset

Soweit so trivial. Was könnte einen also davon abhalten, sämtliche Dinge nur noch über Ebay KA zu handeln? Nun, zunächst einmal kennt wahrscheinlich jeder die Stimme im Kopf die sagt „das könnte ich ja noch einmal gebrauchen…“. Man weigert sich, etwas loszuschlagen, weil schon morgen könnte der Motorradhelm, der seit zwei Jahren ungenutzt im Schrank liegt, benötigt werden. Folgende Daumenregel kann hier helfen: was seit einem Jahr nicht genutzt wurde, kann mit hoher Wahrscheinlichkeit weg. Und wenn es nicht gerade etwas sehr persönliches wie der Diamantring von der Urgroßmutter ist, dann ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass man das Gleiche (oder etwas besseres) jederzeit wieder für einen ähnlichen Preis kaufen kann.

Andersrum ist man vielleicht gehemmt, gebrauchte Dinge zu kaufen, weil man sich nicht sicher ist, wie gut das Ding in Schuss ist, wie alt es ist, wie stark beansprucht, wer es vorher wie genutzt hat etc. Während ich diesen Einwand bei Unterhosen noch gut verstehen kann (ich empfehle hier ausnahmslos Neuware), so ist es bei einem Kleiderschrank, einer Lampe oder einem Schreibtisch deutlich weniger relevant. Bei technischen Produkten wie Fernsehern oder Fahrrädern hilft ein wenig technischer Sachverstand, Recherche oder vielleicht der/die gute Freund*in, die sich damit auskennt. Auch viele Klamotten bekommt man in wirklich guter Qualität – ich habe schon Winterjacken, Regenjacken, Winterstiefel und Handschuhe zu meiner vollsten Zufriedenheit ge- und verkauft. Es lohnt sich, auf die Bewertung des Verkäufers zu gucken, und auf das eigene Bauchgefühl beim Kontakt zu hören. Wer sich beim Schreiben Mühe gibt und bereitwillig Auskunft erteilt, hat wahrscheinlich nicht zu verbergen – und andersherum. Wenn es geht, dann vorher angucken was man kauft, und ansonsten Paypal mit Käuferschutz nutzen.

Welche Dinge (ver-)kaufen?

Natürlich eignet sich die Stuff Cloud nicht für alle Dinge gleichermaßen, was sich auch im Produktangebot auf der Plattform wiederspiegelt. Ich selbst nutze Ebay KA vor allem für Möbel und Einrichtungsgegenstände (meine derzeitige Einrichtung stammt ausnahmslos von dort), Kleidung, Elektrogeräte/Elektronik, Fahrräder und Sportartikel. Auch für Immobilienanzeigen und Autos bietet es sich an, aber hier stellt es aus meiner Sicht einfach eine weitere Plattform dar, ohne besondere ökologische Vorteile (im Vergleich zu z.B. ImmoScout, mobile etc.).

Folgende Faustregeln helfen dabei, den größten ökologischen Nutzen aus Ebay KA herauszuschlagen:

  • Je kürzer die Distanzen, desto besser. Lieber in der eigenen Stadt kaufen statt zuschicken lassen. Abholen am besten zu Fuß oder auf dem Fahrrad. Mit Freunden kann man auch mal einen Schreibtisch oder eine Couch quer durch die Stadt schleppen (nicht vergessen die Freunde mit Pizza zu bezahlen ;-)).
  • Als Verkäufer wiederum lieber lokal verkaufen, statt alles überall hinzuschicken. Bei günstigen Produkten fressen die Portokosten eh die Gewinnmarge auf, nicht zu vergessen die Zeit, die man für den Gang zur Post investiert. Dann lieber fünf Euro billiger anbieten und warten, bis jemand vor Ort nach genau dem sucht, was man selbst anzubieten hat.
  • Je teurer das Neuprodukt, dass durch ein gebrauchtes ersetzt wird, desto besser. Elektronikprodukte sind zwar meist nicht besonders groß, haben aber einen überproportional großen ökologischen Fußabdruck auf Grund der verwendeten Materialien (Kupfer, Gold etc.). Audio Verstärker aus den 80ern leisten z.B. noch erstaunlich gute Dienste und bieten einen tollen Klang, wenn man die richtige Marke wählt. Es muss nicht immer der neueste, heiße 5.1-Scheiß sein.
  • Bei energiehungrigen Geräten (Kühlschrank, Waschmaschine) darauf achten, Produkte mit hoher Energieeffizienzklasse zu kaufen. Hier kann man sich einiges an Stromkosten sparen. Fast noch wichtiger: bedarfsgerecht kaufen! Brauch ich wirklich 200 Liter und einen extra Eisschrank? Oder reicht nicht auch ein kleinerer Kühlschrank mit eingebauten Eisfach?
  • Zeit lassen beim Kauf. Nicht gleich beim erstbesten Angebot zuschlagen, sondern erst mal ein paar Tage beobachten, sehen was der Markt hergibt, und dann entscheiden. Das verhindert, dass man zwei Mal kauft, weil man beim ersten Mal doch nicht ganz genau das bekommen hat, was man wollte. Und Geld spart man dadurch auch noch.

Energiefresser

Wie schon erwähnt, gibt es bei Geräten, die Energie verbrauchen, oft einen Zielkonflikt: neues, energiesparendes Gerät kaufen oder alten Energiefresser behalten? Ein erste Abschätzung kann hier über die Kosten erfolgen. Nehmen wir mal ein fiktives Beispiel: ich besitze jetzt einen Kühlschrank, Modell „Permafrost“, der im Jahr 300 kWh Strom verschlingt. Wenn wir mit eine Strompreis von 30 Ct/kWh kalkulieren, dann sind das 90 €/Jahr. Würde ich stattdessen ein A+++ Gerät, Modell „Cool Breeze“, mit einem Bedarf von 100 kWh/Jahr kaufen, dann spare ich 60 €, jedes Jahr. Mit ein bisschen Glück und Geduld bekomme ich so einen Kühlschrank für 120 Euro in der Stuff Cloud, habe also die Anschaffungskosten nach zwei Jahren wieder drin. Wenn ich dann noch den alten „Permafrost“ für 30 Euro los schlagen kann, sinkt die Zeit sogar auf eineinhalb Jahre (natürlich sollte ich den alten Kühlschrank idealerweise an jemanden los schlagen, der ihn nur einmal im Jahr für seine Geburtstagsparty zum Kühlen der Getränke nutzt. Idealerweise).

Neben der Energieeffizienzklasse ist dabei, wie schon gesagt, die Größe ein entscheidender Hebel. Mit 100 Liter Nutzinhalt ist ein Verbrauch von 100 kWh/Jahr natürlich deutlich leichter zu erreichen als mit 300 Litern. Gleiches gilt auch für Waschmaschinen, Fernseher, Trockner (den man eh am besten durch einen Wäscheständer ersetzt, nach Möglichkeit) und Spülmaschinen. Lieber eine Nummer kleiner nehmen, meistens gewöhnt man sich recht schnell dran.

Aus dem Nähkästchen

Ansonsten gibt es noch ein paar allgemeine Dinge zu beachten, die für reibungslose Transaktionen sorgen: gute Fotos und aussagekräftige Beschreibung, freundlich bleiben im Kontakt, niemandem blind vertrauen, geduldig bleiben, Timing (Winterjacken im Winter, Surfboards im Sommer – als Käufer gilt das natürlich umgekehrt), schnell antworten, andere bewerten und mehrere Zahlungsmöglichkeiten anbieten. Weiterhin habe ich nach nun schon über vier Jahren Ebay KA Mitgliedschaft folgende Beobachtungen gemacht:

  • Lieber etwas für einen Euro als zu verschenken anbiten. In der Gratis-Kategorie tummeln sich zu viele unzuverlässige Zeitgenossen, die einem nur Zeit und Nerven rauben.
  • Niemals darauf verlassen, dass jemand auch tatsächlich zum vereinbarten Zeitpunkt erscheint. Nur Termine ausmahcen für Uhrzeiten, zu denen man eh zuhause ist (spart Zeit und Nerven).
  • Ich habe gute Erfahrungen damit gemacht, meinen echten Namen und meine Handynummer bereitzustellen. Schafft Vertrauen, und am Telefon hört man viel eher, ob es jemand ernst meint.
  • Wenn Informationen fehlen, fragen! Die meisten geben sich selbst bei teuren Produkten erstaunlich wenig Mühe mit der Anzeige. Die meisten Käufer wiederum machen sich nicht die Mühe, nachzuhaken, weil das Angebot so groß ist, und schauen sich anderweitig um. Du brauchst mehr Fotos? Eine nähere Beschreibung? Die genaue Modellbezeichnung? Die meisten Leute stellen das bereitwillig zur Verfügung – deine Chance für ein Schnäppchen!
  • Gute Fotos! Der Mensch wird von Bildern überzeugt, nicht von Test. Mache viele und gute Fotos, bei gutem Licht, und das Ding ist schon halb verkauft. Um dir Ärger zu sparen, gehe auch auf Schäden/Schwachstellen ein (Text und Bild), die 10 Euro mehr sind es nicht wert.

Fazit

Abschließend möchte ich noch sagen, dass all dies natürlich nicht nur für Ebay Kleinanzeigen gilt, sondern ebenso für andere Verkaufsportale für gebrauchte Sachen (z.B. Kleiderkreisel). Ebay KA habe ich nur deshalb ausgewählt, weil es kostenlos ist (bis auf optionale Verkaufsformate), deutschlandweit rege genutzt wird, und damit der potenzielle Absatzmarkt sehr groß ist. Wenn es nun noch keine Werbung zeigen würde, wäre es aus meiner Sicht noch besser – man wird ja wohl noch träumen dürfen 😉

Also: lieber gebraucht als neu kaufen, Dinge die man nicht braucht in die Stuff Cloud hochladen, kaputte Dinge verschenken statt wegschmeißen und sich nicht nur über mehr Geld, sondern auch weniger Belastung für die Umwelt freuen. Genauer hinschauen lohnt sich bei energiehungrigen Geräten, hier kann ein junges, teureres (aber dafür energiesparendes) Gebrauchtgerät sinnvoll sein.

BRS

Edit: In Österreich scheint die Plattform willhaben.at die Rolle einzunehmen, die Ebay Kleinanzeigen in Deutschland hat. Darüber hinaus gibt es auch noch (in beiden Ländern) Shpock. Danke an Constantin für den Hinweis!