Bevor wir nun tief einsteigen in die Nachhaltigkeitsmaterie, und uns ansehen, wie wir unseren Lebensstil umkrempeln können, ist es zunächst einmal für mich an der Zeit, Farbe zu bekennen.

Wie grün ist eigentlich mein Lebensstil?

Wasser predigen und Wein saufen kann schließlich jeder. Wenn ich möchte, dass andere mir Gehör schenken, sollte ich vielleicht mit gutem Beispiel vorangehen. Na dann mal los, Hosen runter!

Aber wie bewertet man eigentlich, wie öko jemand ist? Eine Möglichkeit ist ein CO2-Rechner. Diesen gibt es beispielsweise auf der Seite des Umweltbundesamtes. Damit kann man ermitteln, wie viele klimawirksame Emissionen (ausgedrückt in CO2-Äquivalenten, CO2-eq.) man mit seinem eigenen Lebensstil zu verantworten hat (Hinweis: das Wort Lebensstil werde ich voraussichtlich noch öfter benutzen, ich hoffe es gefällt Euch. Ich habe mich bewusst dagegen entschieden, das Wort „Lifestyle“ zu verwenden – vornehmlich daher, dass ich dann jedes Mal sofort einen Ohrwurm eines ganz bestimmten Songs habe. Eine ganz tolle Eigenschaft meines Gehirns…).

Diese Berechnung ist nicht perfekt für die „Berechnung“ der eigenen Nachhaltigkeit, da

  • andere Umweltwirkungen neben klimawirksamen Emissionen außer Acht gelassen werden (soziale und ökonomische Nachhaltigkeit komplett außen vor gelassen, die wir auf diesem Blog nicht näher betrachten)
  • sie auf einigen Schätzungen basiert (z.B. wie viel CO2 verursacht eine vegetarische Ernährung, oder Konsumausgaben von 300 € im Monat?) und
  • sie nur so genau sein kann, wie die Eingaben der Nutzer (Weißt du, ob deine Wohnung Wärmeschutzverglasung und Fassadendämmung hat? Wie viele Kilometer mit welchem Verkehrsmittel du letztes Jahr zurückgelegt hast?).

Trotzdem ist ein CO2 Rechner als erste Einschätzung gut geeignet, um zu sehen, wo man ungefähr steht – z.B. in Relation zum Durchschnitts-Bundesbürger. Außerdem kann man annehmen, dass tendenziell auch andere Umweltwirkungen mit den klimawirksamen Emissionen steigen (wer einen CO2-intensiven Lebensstil hat, verantwortet wahrscheinlich auch einen hohen Wasser- und Flächenverbrauch).

Meine ganz persönliche CO2-Bilanz

Kommen wir nun zu meiner ganz persönlichen CO2 Bilanz:

Meine CO2-Bilanz laut CO2-Rechner des Umweltbundesamts. Wer möchte, kann sich meine Berechnung unter diesem Link im Detail angucken. Quelle: Umweltbundesamt / https://uba.co2-rechner.de/de_DE/

Ich bin zwar dieses Jahr umgezogen, habe aber für diese Berechnung so getan, als würde ich mich bereits seit Jahresbeginn in meiner jetzigen Wohnsituation befinden.

Das Gesamtergebnis: 7,18 t CO2-eq. pro Jahr, im Vergleich zu 11,61 t für Max bzw. Martina Musterperson. Erstmal nicht schlecht, deutlich unter dem Durchschnitt – aber radikal öko sieht anders aus. Wie kommt’s? Wo bin ich schon maximal baumrindenstreichlerhaft unterwegs, wo eher so bulldozermäßig? Sehen wir uns die Kategorien mal im Detail an.

Öffentliche Emissionen

Laut der Berechnung schneide ich überall besser als der Durchschnitt ab, außer im Bereich „öffentliche Emissionen“ – der ist für alle gleich (0,73 t). In der BEschreibung des CO2-Rechners heißt es hierzu:

Emissionen entstehen z.B. durch Verwaltung, Organisation des Sozialwesens, Infrastruktur oder Bildung und werden jedem Bürger mit einem gleichen Anteil automatisch zugerechnet. Neben den offiziellen Aufgaben des Staates werden hier zusätzlich Emissionen zur Wasserversorgung sowie Wasser- und Abfallentsorgung berücksichtigt, da diese Dienstleistungen allen Bürgern zur Verfügung stehen. Der Einfluss des Einzelnen ist an dieser Stelle sehr gering.

https://uba.co2-rechner.de/de_DE | Reiter „Mein Ergebnis“ | Link zu „Öffentliche Emissionen“

Das heißt, dass ich, bevor ich auch nur einen Bissen gegessen, einen Kilometer gereist oder eine Kilowattstunde geheizt habe, bereits nahezu eine Tonne Kohlendioxid auf meinem Klimakonto zu verbuchen habe. Kein Pappenstiel.

Heizung und Strom

Beim Thema Heizung profitiere ich von einer nagelneuen, und damit hocheffizienten Gastherme, welche kürzlich in meine Mietwohnung eingebaut wurde. Das ist deutlich klimafreundlicher als etwa alte Ölbrenner, noch besser wäre aber hier z.B. eine Wärmepumpe (idealerweise mit Ökostrom betrieben). Das Gebäude, in dem ich wohne, ist ein typisch hässlicher Nachkriegsbau aus den 50er Jahren, der meiner Vermutung nach seitdem zumindest einige energetische Sanierungen genossen hat (z.B. neue Fenster). Hier haben wir aber auch schon eine große Unsicherheitsquelle, denn wer weiß als Mieter schon genau über Alter, Zustand, Renovierungsdatum und –umfang seiner Behausung Bescheid?

Der CO2 Ausstoß durch meinen Stromverbrauch fällt dank Ökostrombezug ziemlich gering aus. Hier ist zu beachten, dass auch Solaranlagen und Windkraftwerke auf Grund ihrer Herstellung, Wartung und Entsorgung nicht komplett emissionsfrei sind. Laut Rechner bleibt als Fazit bei mir 1,55 t CO2 für Heizen und Strom (vs. 2,40 t im deutschen Durchschnitt).

Mobilität

Im Bereich Mobilität kann ich mit 0,35 t (vs. 2,18 t) richtig punkten. Grund ist vor allem, dass ich dieses Jahr weder dienstlich noch privat einen Fuß in einen Flieger gesetzt habe. Mein Urlaub fand in Dänemark, Österreich und Deutschland statt, und die Reise dorthin meist mit dem Zug. Dank 100 % Ökostrom im Fernverkehr (zumindest rein rechnerisch) ist man in Deutschland mit der Bahn ein echter Klimafreund. Mit vielen Dieselloks im Nahverkehr sieht das Bild dort etwas differenzierter aus. Der zweite dicke Bonus kommt daher, dass ich kein Auto besitze. Als Bewohner einer beschaulichen Mittelgroßstadt bin ich glücklicher Fahrradfahrer, und innerhalb der Stadtgrenzen meistens sogar schneller am Ziel. Für die gelegentlichen Großeinkäufe und Ausflüge in spärlich besiedelte Gebiete habe ich die Option auf Carsharing, sowie einige nette Menschen, die mir nahestehen und ab und zu ihr Auto leihen.

Ernährung

Bei der Ernährung kommt mir mein Verzicht auf Fleisch und Fisch (nicht jedoch auf Eier und Milchprodukte) zu Gute. Ein wirklich großer Hub ist jedoch erst bei einer komplett veganen Ernährung zu erwarten. Leider bin ich auch ziemlich groß (1,93 m) und schwer (93 kg), weshalb ich wahrscheinlich ein ganzes Stück mehr futtere als zierlichere Zeitgenossen. Wenn ich noch mehr saisonal, regional und weniger Tiefkühlprodukte kaufen würde, wäre hier noch mehr zu holen. Umstritten ist die Sachen beim Thema Bio-Lebensmittel – dem werden wir uns in einem späteren Blogbeitrag widmen. Es bleiben 1,55 t für die Ernährung, im Vergleich zu 1,74 t für Otto Normalesser.

Sonstiger Konsum

Schließlich bleiben noch 3,00 t für den restlichen Konsum (4,56 t im Bundesdurchschnitt), und damit der größte Posten. Gleichzeitig ist hier wahrscheinlich auch die größte Unsicherheit zu finden. Wer sein Geld hauptsächlich für Pflänzchen zur Aufforstung seines Hinterhofs verprasst, hat wahrscheinlich eine deutlich andere Bilanz als jemand, der sein ganzes Budget in die Verfeuerung von Holzkohle investiert. Der Rest liegt vermutlich irgendwo dazwischen. Mein persönliches Budget für „Konsumausgaben“ liegt scheinbar etwas unter dem Durchschnitt, dazu kaufe ich insbesondere Möbel häufig gebraucht. Drei Tonnen CO2 für Konsum ist aber alles andere als wenig.

Fazit

Kommen wir zum Fazit, und damit zu der Frage, wie weit ich mit meinen sieben Tonnen CO2 vom Ziel entfernt bin. Nun, die einfache Antwort lautet „noch ein ganzes Stück“. Während man darüber streiten kann, wie genau man den CO2 Fußabdruck berechnen sollte, wie groß die Unsicherheiten dabei sind, und auch, wie groß ein „nachhaltiger“ pro-Kopf Ausstoß dann nun tatsächlich ist, so herrscht doch Einigkeit darüber, dass er deutlich unter 11 t liegt.

Und wenn man davon ausgeht, dass wir ein fixes CO2 Budget haben, welches wir noch noch „verpulvern“ können, bevor wir definitiv die Klimaziele von Paris reißen, dann müssen wir sogar irgendwann in den negativen Bereich gelangen (d.h. effektiv CO2 aus der Atmosphäre entfernen).

Damit bleibt also noch eine Menge zu tun, für mich und vermutlich auch für die meisten von Euch. In den folgenden Blog-Einträgen möchte ich einige Ideen diskutieren, was jeder tun kann, um seinen eigenen CO2 Fußabdruck zu verkleinern.

Spoiler Alarm: es wird knifflig.

BRS